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Asperger-Syndrom

Wenn mich jemand fragt, was das Schlimmste an meiner Behinderung ist, dann antworte ich:
„Dass kein Sinn richtig funktioniert, dass mir alle Sinne eine Realität vorspielen, die es so nicht gibt. Ich kann mich auf meine Sinne nicht verlassen. Wenn die Abweichungen wenigstens immer gleich blieben. Aber ständig verändert sich etwas, und dann muss ich meinen Verstand zusammennehmen, um mir ein Bild von der Realität machen zu können. Ich wünschte mir manchmal, dass mir ein Computer diese schwere Arbeit abnehmen würde.“         
Dietmar Zöller, 1997

Die Wutanfälle ereigneten sich unvermittelt, wie epileptische Anfälle.

Temple Grandin, Ich bin die Anthropologin auf dem Mars, S. 52

Asperger-Syndrom: "Der unbekannte Autismus"

Das wenig bekannte Asperger-Syndrom
gehört zum breiten Spektrum der autistischen Verhaltensformen ASD (Autism-Spectrum-Disorders).

Diese Symptome kennzeichnen ein Asperger-Syndrom:

  • Geringe Empathie, d.h., die Emotionen anderer Menschen nicht verstehen und nicht nachempfinden können


  • Kein Verständnis der Körpersprache anderer Menschen


  • Unfähigkeit, die Dinge aus der Sicht anderer Personen zu betrachten   

      -> Symptomüberlapp mit ADHS

  • Geringe Möglichkeit, mit anderen Menschen Kontakt auf emotionaler Ebene aufzunehmen, obwohl die von Asperger-Syndrom Betroffenen selbst sehr starke Gefühle empfinden


  • Starkes Interesse für sehr begrenzte Gebiete: Spezialistentum, umgangssprachlich „Fachidioten“ genannt; sie können Kontakte mit Personen gleichen Fachinteresses auf fachlicher Ebene aufbauen


  • Veränderungsängste: sie brauchen absolute Planungssicherheit; einmal geplante Termine müssen exakt eingehalten werden, andernfalls Angst vor Chaos und Kontrollverlust


  • Großes Sicherheitsbedürfnis (Verringerung ihrer Ängste)


  • Konkretismus: kein Verstehen von Aussagen oder Redewendungen, die im übertragenen Sinn gemeint sind -> daher benötigen sie ganz präzise Anweisungen, die 1:1 auch so ausgeführt werden können -> Symptomüberlapp mit ADHS


  • Im Gegensatz zum „frühkindlichen Autismus“ keine deutliche Entwicklungsverzögerung in den ersten 3 Lebensjahren; es liegt beim Asperger-Syndrom keine erkennbare oder keine nennenswerte Verzögerung in der sprachlichen Entwicklung vor; allerdings können Sprachstereotypen vorliegen: Echolalie (häufiges Nachsprechen bzw. Wiederholen von Wörtern, die sie gehört haben, ohne auf den Sinn Rücksicht zu nehmen), auch Verbigerationen (mechanische häufige Wiederholung von Wörtern, Satzteilen, Sätzen oder auch nur von Lautgebilden) und gelegentlich Logorrhö (unkontrollierbarer Rededrang)   -> Unkontrollierter Rededrang: Symptomüberlapp mit ADHS


  • Oft sehr impulsives Verhalten. Ursachen hierfür sind hoher sozialer Stress und dass die Sinneseindrücke unzureichend gefiltert werden (z.B. Hyperakusis) wodurch eine Reizüberflutung besteht. Weiterhin ist davon auszugehen, dass diejenigen Gehirnariale unzureichend aktiv sind, welche die ankommenden emotionalen Impulse kognitiv kontrollieren können:   -> hier besteht ein auffälliger Überlapp zur Diagnose ADHS bezüglich Ursache (Reizüberflutung) und Verhalten.


  • Die Intelligenz ist im Allgemeinen normal ausgebildet; häufig sind die Betroffenen auf ihrem Spezialgebiet überdurchschnittlich intelligent; daher auch die amerikanische Bezeichnung: „high functional autism“.


  • Fokus auf "logisches" Betrachten der Dinge, wobei die "Logik" der von ASD Betroffenen auf andere Menschen oft befremdlich wirkt.


->

Fortsetzung von linker Spalte

  • Da gelegentlich auch hochbegabte Kinder mit ADHS diagnostiziert werden, ist denkbar, dass in manchen Fällen eine Fehldiagnose vorliegt und stattdessen „Asperger-Syndrom“ die richtige Diagnose wäre.


Meist sind Jungs/Männer betroffen. Das Verhältnis männlich/weiblich liegt in den USA nach einer aktuellen Studie bei 5:1. In den USA sind demnach von 1000 Kindern knapp 2 Mädchen von ASD betroffen, hingegen aber fast 10 Jungs von 1000 Kindern. Die Häufigkeit ist in den versch. Bundesstaaten recht unterschiedlich. Beunruhigend ist die stetige Zunahme (Inzidenz) der Diagnose ASD, wobei die Ursachen nicht geklärt sind. Ein Faktor könnte sein, dass auffällige Kinder eher erkannt und diagnostiziert werden. mehr ...


Zusammenfassung der Symptome, welche sowohl bei ADHS wie auch bei Asperger-Syndrom auftreten oder auftreten können:

  • Unfähigkeit, die Dinge aus der Sicht anderer Personen zu betrachten


  • Impulsives Verhalten


  • Gelegentlich Hochbegabung in Teilbereichen


  • Sie benötigen ganz präzise Anweisungen, die 1:1 so ausgeführt werden können


  • Symptome, die aufgrund von Reizüberflutung (nicht filtern können) entstehen.



Ähnlichkeit zwischen ADHS und Asperger-Syndrom:

ADHS: Wenn Betroffene ihren Fokus auf das richten, was sie besonders interessiert und sie mit sich alleine sind, können sie sich auch längere Zeit konzentrieren.

Asperger-S.: Ihr Fokus richtet sich meist auf ein bestimmtes Fachgebiet, in welchem sie Experten sind.

Hochbegabung? Bei beiden kommt Hochbegabung vor, meist jedoch betrifft die „Hochbegabung“ nur ein bestimmtes Gebiet (z.B. Gedächtnis, Mathematik, …).

Signifikantester
Unterschied zwischen Asperger-Syndrom und AD(H)S ist der Autismus beim Asperger-Syndrom, wenngleich deutlich weniger ausgeprägt als beim „frühkindlichen Autismus“ (= Kanner-Syndrom).
Von AD(H)S Betroffene haben oft ein sehr mitfühlendes Verhalten. Manche sind sozial überdurchschnittlich engagiert und haben ein hohes Maß an Gerechtigkeitsempfinden.
Bei Asperger-Syndrom scheint das Empfinden für Gerechtigkeit zuweilen ebenfalls sehr ausgeprägt. Bei näherem Hinsehen ist es jedoch eine Fixierung auf erlernte soziale Regeln. Abweichungen von Regeln können vom Asperger-Syndrom Betroffene kaum ertragen. Sie sind nicht in der Lage, erlernte Regeln situationsgerecht umzudeuten oder zu modifizieren.

-> Soziales Kompetenztraining für Erwachsene und Jugendliche


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